Ägypten. Ein
Tempel der Tiere Plan für eine Ausstellung im Sommer 2006 im Zoologischen Garten Berlin Reportage über die Ausstellungseröffung am 14.07.2006 |
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Veranstalter:
Aegypten Forum Berlin e.V. und Zoologischer Garten Berlin mit freundlicher Unterstützung des Ägyptischen Museums
Die Bezüge zwischen
ägyptologischer Fragestellung und dem Zoo sind nicht
vordergründig – à la: Tiere hier – Tiere dort. Wir sind zu
dieser Verbindung auch nicht so sehr als Ägyptologen gekommen,
sondern vielmehr als häufige Besucher des Zoos. Dort, in
der Mitte von Berlin, existierte bis in die 1950er Jahre das
Straußenhaus. Es wurde 1901 in ägyptisierendem Stil
errichtet, aber im 2. Weltkrieg vernichtet und bis 1956
vollständig abgetragen. Dieses Gebäudes erstreckte sich auf dem heutigen Hardenbergplatz, etwa zwischen dem Südende des modernen Elefantenhauses und dem heutigen, nördlichen Eingang zur U-Bahnstation der Linie 9. Das Straußenhaus gehörte wie zu den zahlreichen sogenannten Themenbauten des Zoos, die uns, bis auf das noch zu erwähnende Antilopenhaus, heute verloren sind. Eine umfassende, beschreibende und zeichnerische Dokumentation hat bisher nicht stattgefunden. Die Achse des langgestreckten Baus bildete die Besucherabteilung, zu der sich parallel die Ställe hinzogen. In elliptischer Form umzogen jenseits davon die beiden Freianlagen die Langseiten des Gebäudes.Seine äußere Gestalt mag es gegenüber den anderen phantastisch-exotischen Zoobauten zu einem Novum gemacht haben, hinsichtlich der ägyptologischen Akkuratesse von Architektur, Dekor und Interieur steht es aber in der Tradition der verwissenschaftlichen Ägyptomanie im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Vorbilder könnten das Berliner Neue Museum und ein Gebäude im Zoo von Antwerpen sein. Die beiden kompositen Säulenkapitelle des Eingangs wiederholen genau ägyptische Vorbilder wohl ptolemäischer Zeit. Die Malereien und Reliefs auf Putz, ja sogar die Inschriften, die in neoägyptischer, hieroglyphischer Schreibung die am Bau Beteiligten nennen, folgen ägyptischen Vorlagen und Regeln.
Zu erkennen sind Szenen zur äg. Haltung von Straußen, große Isis- und Osiris-Statuen und sogar eine pharaonische Titulatur Kaiser Wilhelms II. Auch die beiden Löwen, die heute wie damals, wenn auch versetzt, den Zooeingang am Bahnhofsvorplatz
markieren, sind direkte Bezüge nach
Ägypten. Sie standen vormals in enger räumlicher und
thematischer
Verbindung zum Straußenhaus, mit dem sie wohl auch zeitgleich
errichtet
wurden. Nicht so sehr ihr pyramidialer Unterbau, sondern die ganze
Gestalt
der Tiere aus Muschelkalk verrät das kulturelle Vorbild: es sind
ägyptische Löwen, die hier die Porta zoologica bewachen. Zum
Vergleich seien hier die Löwen Nektanebos I. im Vatikan gezeigt...
Wenn man diese Elemente der Zoo-Architektur „nur“ als Berlin-Liebhaber oder „nur“ als Rezeptionsforscher betrachtet, dann sieht man auch nur einen Endpunkt der Antiken-Sehnsucht im wilhelminischen Deutschland. Wir aber sind außerdem noch Ägyptologen und Tierfreunde und für uns wurden Straußenhaus und das Löwentor zur Vision, denn sie vereinigen die historische und zoologische Perspektive auf das Mensch-Tier-Verhältnis und präfigurieren damit das Anliegen unserer Ausstellung, die in mancher Hinsicht ein Novum darstellt. Zunächst geht es um die einfachste Form der Information: Ein breites Publikum – darunter eine Vielzahl von Menschen, die vielleicht sonst kaum ein Museum besuchen oder mit wissenschaftlichen Themen in Kontakt kommen – kann erreicht werden. Sie können vergleichen zwischen lebender Spezies und deren rezeptiven Bild in Kunst, Religion, Politik etc. Neben der Brücke zwischen Ägypten und Berlin kann das ein Anstoß sein, das eigene gesellschaftliche und individuelle Verhältnis zu Tieren zu beobachten und als Kulturtechnik ernst zu nehmen. Zu häufig wird ja unsere Relation zur Welt-Fauna auf Umweltzerstörungen, Landwirtschaft und Schmusetiere eingegrenzt. Die Weitgefächertheit des ägyptischen Ansatzes lenkt deswegen auch den Blick in entspannender Weise auf unsere Gesellschaft zurück.
Kein Betrachter ägyptischer Kunst kann
sich dem Gefühl der Bewunderung entziehen. Es ist nicht nur die
exotisch anmutende aspektivische Darstellungsweise, sondern auch die
große Liebe zum Detail und das ausgesprochene hohe Niveau der
handwerklichen Tüchtigkeit. So wird es ein besonderes Erlebnis für jeden Besucher sein, daß er diese typische ägyptische Naturbeobachtung selber eine Prüfung unterziehen kann. Er kann und soll dabei auch auf zahllose gewollte Abweichungen aufmerksam werden: Die ägyptischen Künstler bewegten sich in einem Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und Religion; ihr Wunsch, auch die metaphysische Welt jenseits der Vorstellungskraft erfahrbar zu machen und religiöse Konzepte auszudrücken, ließ sie eben auch Mischformen entwerfen. Wunderbare Beispiele hierfür finden sich eben auch im Ägyptischen Museum Berlin:
Hatschepsut, deren Königtum in der Verschmelzung von Mensch und Löwe zum Ausdruck kommt Seth, dessen Natur als Gott des Chaos nach einer besonderen Darstellungsweise verlangte und in dessen Gestalt nicht nur reale sondern auch phantastisch-tierische Züge einflossen Diese Ausstellung kann ohne einen ökologischen Anspruch nicht funktionieren. Ägypten, einst das reichste Land der Erde, verfügte auch über zahllose Tierarten. Heute ist das leider alles Vergangenheit. Einige Spezies gingen dem Menschen schon vor dem 19. und 20. Jh. immer mehr aus dem Wege – etwa das Nilpferd – die meisten sind aber angesichts kolonialistischer Wirtschaftspolitik und Industrialisierung auf der Strecke geblieben. Der Zoo, und gerade der Berliner Zoo, betrachtet sich zu Recht als Arche. Nur hier kann der Besucher die altägyptische Fauna noch einmal erleben – man muß ihn darüber nur aufklären. Soviel zu den hohen Ansprüchen und Erwartungen, die wir an uns selber richten. Wer aber macht die Ausstellung? Das Kuratorium besteht aus Leitung und Referenten für einen jeweiligen Teilbereich.
Das Ausstellungsteam ist weiterhin verbunden mit Ägyptologen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin. Von der Humboldt-Universität zu Berlin ist hier vor allem Professor Frank Kammerzell zu nennen, der nicht nur der Lehrstuhlinhaber des Studienganges „Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas“ ist, sondern gleichzeitig auch der Vorsitzende des an der Humboldt-Universität zu Berlin beheimateten Fördervereins Aegypten Forum Berlin e. V. Prof. Joachim F. Quack, vormals FU-Berlin, jetzt Universität Heidelberg und Dr. Alexandra von Lieven vom Ägyptologischen Institut der Freien Universität werden den fachlichen Teil der Ausstellung unterstützen. Für den Bereich der finanziellen Planung werden wir durch Dr. Christian Tietze von der Universität Potsdam unterstützt, der selbst schon erfolgreiche Ausstellungen durchführte und aufgrund seines Erfahrungsschatzes praktische Anregungen geben kann. Ganz grundlegend wird natürlich die Unterstützung durch das Ägyptische Museum Berlin und dessen Direktor Prof. Dietrich Wildung sein! Am Katalog werden Beitragende aus ganz Deutschland beteiligt sein. Es ist erfreulich, wie viel positives Echo wir erhalten haben, als wir die Kolleginnen und Kollegen mit unserem Projekt bekannt machten.
Wie soll die Ausstellung aussehen? Das den
Berlinern bestens bekannte Antilopenhaus im Zentrum des zoologischen
Areals wurde als Hauptausstellungsort ausgewählt. Es bietet sehr
gute technische, aber durch den Afrika-Bezug auch thematische
Möglichkeiten. Hinsichtlich der Finanzierung sind wir ganz optimistisch, Sponsoren zu finden, weil wir eine sehr gute Idee und eine hochqualitative Durchführung anzubieten haben. Unsere eigenen Investitionen sind viel Arbeitskraft und Engagement. Des Weiteren verfügen wir über die moralische Unterstützung durch Kollegen. Auch der Zoo unterstützt uns logistisch mit Sachmitteln und wird technischen Beistand bieten. Weil das Ausstellungsvorhaben in einzigartiger Weise die geschilderten Themenbereiche kombiniert und potenziert, dazu aktuelle Forderungen der Gesellschaft an die Wissenschaft aufgreift und verarbeitet und das ganze in einem Berlinspezifischen Rahmen präsentiert – deswegen hoffen wir u. a. auf die Förderung durch den Hauptstadtkulturfond und durch die Humboldt-Universitäts-Gesellschaft und wir richten uns an Alle mit der Bitte der Werbung für unser Projekt. Wir sind also im Begriff, ein interdisziplinäres Unternehmen zu starten. Dabei wollen und können wir Laien und Fachleute gleichermaßen erreichen und integrieren. Was hierbei zählt, sind die Begeisterung für Ägypten, die Bereitschaft, kritisch und wissenschaftlich zu denken und persönlicher Einsatz. Deswegen sollen auch Studenten der HU-Berlin mit eingebunden werden: Im kommenden Wintersemester wird der Kurator der Ausstellung, Veit Vaelske, im Institut für Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas ein Seminar abhalten, in welchem die Kommilitonen an die Thematik der Ausstellung herangeführt und mit praktischen Aufgaben der Durchführung vertraut gemacht werden sollen. Vor allem Fragen zur Wissensvermittlung in Ausstellungen sollen dabei im Vordergrund stehen. Die praxisorientierte Vorbereitung auf Publikumsfragen, auf Führungen etc. wird dabei sicher eine willkommene Ergänzung zur universitären Lehre und Forschung darstellen. Lassen Sie uns
diese Botschaft weitertragen!
Publikation
von Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung von Veit Vaelske M.A.,
Ausstellungskurator
E-Mail: tempeldertiere@aefobe.de Aegypten Forum Berlin e.V.
Sparkasse Oder-Spree Kontonummer 3000739563 - BLZ 170 550 50 Jede Zuwendung wird dankbar angenommen - auf Wunsch Veröffentlichung im Ausstellungskatalog unter Nennung des Spendernamens - |