Die Nekropolen

 

Katzennekropole

So wie Bubastis seit der Antike für den dort stattfindenden Kult seiner exotisch anmutenden, als Katze dargestellten Göttin bekannt ist, sind es auch die Nekropolen der dort beigesetzten, am Tempel gehaltenen Inkarnationstiere der Göttin. Die heute völlig vom modernen Zagazig überlagerte Nekropole der heiligen Katzen findet sich nordwestlich des Tempels der Bastet.
Die Katzennekropole ist vor ihrer Überbauung nie systematisch ergraben worden. Lediglich Naville führte 1889 einen Survey in diesem Areal durch und ließ einige von ihm dort entnommene Katzenmumien von Rudolf Virchow in Berlin medizinisch untersuchen. Im Jahr 1970 wurden unter ägyptischer Leitung einige weitere Untersuchungen in diesem Areal getätigt, die aber lediglich eine Stele, die die Göttin Bastet zeigt, zu Tage brachte. Nach seiner knappen Beschreibung zu urteilen, fand Naville einen bereits geplünderten und zerstörten Friedhof vor. Er entdeckte einige große Gruben, deren Wände und Böden aus Ziegelsteinen oder getrocknetem Ton bestanden und in denen sich neben Katzenskeletten auch Statuetten sitzender Katzen befanden.
Die nähere Untersuchung der Nekropole erbrachte dann einen merkwürdigen Befund: Neben den Grab-Gruben fanden sich oftmals Ofenanlagen, zudem waren die meisten Überreste der Katzen verbrannt. Naville vermutete daher, dass die Tiere nicht wie sonst üblich mumifiziert, sondern in diesen Öfen verbrannt wurden - tatsächlich finden sich in ihnen oft Konglomerate aus Knochen, Asche und Holzkohle. Rudolf Virchow dagegen kam bei seinen Untersuchungen - neben der Erkenntnis, dass einige Schädel eindeutig nicht Katzen, sondern Ichneumonen zuzuweisen sind - zu dem Schluss, dass die von ihm untersuchten Knochen nicht zu Tieren gehörten, die verbrannt worden waren. Diese Erkenntnis erklärte Naville mit dem Umstand, dass er selbst ausschließlich solche Knochenfragmente für die medizinische Studie auswählte, die nicht bei der kleinsten Berührung zerbrachen und den Transport nach Berlin überstehen konnten. Zudem gibt er zu bedenken, dass er keinerlei Spuren einer wie auch immer gearteten Balsamierungsstätte entdeckten konnte, dafür jedoch die oben erwähnten Öfen in größerer Zahl vorhanden waren. Lediglich der Fund eines kleinen Goldblattstückes, das vielleicht zu einer Kartonnagemaske oder Mumienbinde gehörte, kann als Indiz für eine Mumifizierung der Tiere gewertet werden.
Neue Impulse könnte die Diskussion um dieses Problem ausschließlich durch die Wiederaufnahme der Arbeiten im Bereich der Katzennekropole erhalten.

Literatur:
Eva LANGE, Daniela ROSENOW: Kultzentrum der Katzengöttin: Bubastis, in: KEMET, 15, Heft 3, 2006, 11-18.

 

Startseite TELL BASTA-PROJECT