Die Ka-Anlage Pepis I.

 

Im Südwesten des Geländes der antiken Stadt Bubastis, 100 m nordwestlich des Großen Tempels, befindet sich die Ka-Anlage des Königs Pepi I. (6. Dyn., 2289-2255 v. Chr.), die der Versorgung seines Ka dienen sollte. Ka war im Alten Ägypten die Bezeichnung einer besonderen Wirkungsmacht, die sowohl Menschen als auch Götter besaßen. Bildlich wurde der Ka als Doppelgänger dargestellt, der in einer Statue einwohnen konnte. Könige besaßen nachweislich nicht nur Statuen, sondern eigene kleine Tempelanlagen, die dem Kult des königlichen Ka gewidmet waren und in denen die königlichen Ka-Statuen Aufstellung fanden.

Die Ka-Anlage Pepis I. in Bubastis ist von einer aus Lehmziegeln errichteten Umfassungsmauer umgeben, die im Westen, Süden und Norden bis zu einer Höhe von etwa einem Meter bei einer Dicke von vier Metern relativ gut erhalten ist. Die Ostseite der Mauer ist dagegen ganz abgetragen worden und in ihrem Verlauf heute nicht mehr zu erkennen; allerdings hat Labib Habachi noch Reste davon gesehen und beschrieben. Diese Umwallung umschließt eine Nord-Süd orientierte Fläche von 64 m Breite und 84,5 m Länge. In ihrer südlichen Schmalseite befindet sich ein durch die Mauer hindurchführender, aus geglätteten Kalksteinblöcken bestehender Eingang.
Seine mit versenkten Reliefs versehenen Türstürze und Türpfosten wurden von Labib Habachi in das Museum Kairo überführt. Das Relief des südlichen Türsturzes, (JE 72133) zeigt im Zentrum des Bildfeldes den König, der von der löwenköpfigen Göttin Bastet und der Göttin Hathor flankiert wird. Diese Darstellung bietet den bisher frühesten eindeutigen Beleg der Bastet als Hauptgöttin von Bubastis.

Der nördliche Türsturz des Temenoseingangs (JE 72132) ist mit einer waagerechten, dreizeiligen Inschrift versehen, die die Titulatur des Königs wiedergibt und zudem die zweifelsfreie Identifikation des Bauwerks als Ka-Anlage dieses Königs ermöglichte: "Es möge leben: Horus: Geliebter der beiden Länder, König von Ober- und Unterägypten, Sohn des Re: Pepi, dem Leben gegeben ist. Es möge leben: Zwei Herrinnen: Geliebter der Körperschaft, Goldhorus: Goldenster der Falken, Geliebter aller Götter. Es möge leben: die Ka-Anlage des Pepi in Bubastis".

Im Nordteil des Tempels liegt das von einer eigenen Mauer umgebene Sanktuar. Hier befinden sich die Reste einer Nord-Süd orientierten Doppelreihe von jeweils vier Pfeilern aus Kalkstein, die sich jeweils über eine Länge von knapp 8 m erstrecken.
Zwischen der westlichen Pfeilerreihe und der westlichen Tempelmauer befinden sich die Grundmauern von drei 1,3 m breiten und 2,5 m langen Kammern, deren Eingänge deutlich mit den Pfeilerzwischenräumen korrespondieren und die von zwei kleineren Kammern flankiert werden. Zweifellos fanden hier einst die zur Ka-Anlage gehörigen Kultbilder Aufstellung. Die das Sanktuar umgebende, etwa 2 m dicke Mauer, deren westlicher Teil völlig zerstört ist, lässt sich heute im Wesentlichen noch an ihrem südlichen Mauerzug erkennen. Wie aus einer von Habachis Aufzeichnungen hervorgeht, endete die Sanktuarmauer im Osten vor zwei Kalksteinblöcken, die mit den Pfeilerbasen in Form und Größe übereinstimmen. Vermutlich dienten sie als Basen von Pfeilern, die den Sanktuareingang betonten, welcher mit dem im Osten zu vermutenden Haupteingang der Ka-Anlage auf einer Achse lag.

Verglichen mit anderen Königen des Alten Reiches sind für Pepi I. die meisten Ka-Anlagen belegt. Insgesamt lassen sich anhand schriftlicher Quellen mindestens acht weitere Bauwerke dieser Art nachweisen, die sämtlich an Tempel der Lokalgötter gebunden waren oder sich sogar in deren Temenos befanden. Die Ka-Anlage Pepis I. in Bubastis stellt in diesem Sinne mithin kein singuläres Phänomen dar, sie ist aber neben der heute überbauten, benachbarten Ka-Anlage seines Vorgängers Teti das einzige bisher archäologisch nachgewiesene Exemplar dieses Bautypus. Nur hier bietet sich bisher die Möglichkeit, die architektonischen Charakteristika einer königlichen Ka-Anlage des Alten Reiches zu studieren.

Literatur:
Eva LANGE, Die Ka-Anlage Pepis I. in Bubastis im Kontext königlicher Ka-Anlagen des Alten Reiches, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Kultur, 133, 2006, 121-149; Taf. XXVII-XXXIII.

 

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