Tell Basta / Bubastis

Kultzentrum der Katzengöttin

 

Die Göttin Bastet war in der Antike weithin bekannt und der Ruhm ihres Hauptkultortes Bubastis strahlte selbst über die Grenzen Ägyptens hinaus.
Zur Kenntnis seiner Landsleute schilderte der Historiker Herodot im 5. Jh. v. Chr. Stadt und Tempel der Göttin. Vor allem das Gebaren der gläubigen Pilger hatte es ihm angetan und er wusste interessante Dinge zu berichten: "Wenn sie in Bubastis angekommen sind, feiern sie das Fest und bringen große Opfer, wobei mehr Wein getrunken wird, als im ganzen Jahr." (Historien II 60) So avancierte Bubastis im Bewusstsein späterer Zeiten zur Heimstätte einer geheimnisvollen Katzengöttin, zu deren Ehren orgiastische Feiern abgehalten wurden. Verständlicherweise faszinierte die Nachwelt gerade dieser Aspekt, dabei aber geriet leicht aus dem Blickfeld, dass Bubastis schon seit sehr früher Zeit eine der wichtigsten Städte des Nildeltas war, die weit mehr als berauschende Feste zu bieten hatte.
Auch wenn heute nur ein Teil der ehemaligen Besiedlungsfläche erhalten geblieben ist, umfassen die aufgefundenen Baudenkmäler alle Epochen der pharaonischen Geschichte und verraten, dass Bubastis seit früher Zeit zu den wichtigsten Städten Ägyptens gehörte.
Bubastis ist im südlichen Teil des östlichen Nildeltas gelegen. Die Überreste der Stadt befinden sich am südöstlichen Rand des modernen Zagazig, der Hauptstadt der Provinz Sharkiya. Das Gelände der antiken Siedlung wird im Arabischen als "Tell Basta" bezeichnet, wobei unter "Tell" die arabische Bezeichnung für einen Ruinenhügel zu verstehen ist, "Basta" hingegen auf die Göttin Bastet, als deren Hauptkultort die Stadt galt, Bezug nimmt. Die in der Ägyptologie gebräuchliche Bezeichnung "Bubastis" geht auf die gräzisierte Form des ägyptischen Stadtnamens
pr-b3st.t zurück.
Unter den Siedlungen des Deltas nahm Bubastis von jeher eine wichtige Position ein. Hierfür war die geographische Lage des Ortes ausschlaggebend: Situiert am Pelusischen und Tanitischen Nilarm bei gleichzeitiger Nähe zum Wadi Tumilat ausschlaggebend, eine Gegend, in der Handelswege nach Syrien /Palästina und Expeditionsrouten zur Kupfer- und Türkisgewinnung auf den Sinai ihren Anfang nahmen.

Wie die Monumente aus dem Alten, Mittleren und Neuen Reich (Ka-Tempel, Gouverneurpalast, Friedhöfe und Tempel) zeigen, war Bubastis sicher bereits seit dem Alten Reich eine Distriktmetropole. Jedoch scheint sie besonders in der Zeit der Libyer eine Schlüsselrolle besessen zu haben:
Nachdem Ramses III. nach seinen erfolgreichen Kämpfen gegen die "Seevölker" libysche Söldner aus seinem Heer im Delta, besonders in der bubastitischen Region, siedeln ließ, entstand aus ihnen bald eine lokale Elite. Scheschonk I. (945-924 v. Chr.) schließlich, der die 22. Dynastie begründete, stammte aus den Reihen dieser libyschen Militäraristokratie. Da Bubastis zum Kerngebiet dieser Dynastie gehörte, wurde die Stadt gerade in der Libyerzeit in ihrer Bedeutung in großem Maße aufgewertet. Der Tempel der Stadtgöttin Bastet wurde von den Nachfolgern Scheschonks, namentlich von Osorkon I. (924-889 v. Chr.) und Osorkon II. (874-850 v. Chr.) umfassend ausgebaut. Nicht umsonst nennt Manetho, der in der Ptolemäerzeit eine Geschichte Ägyptens verfasste, die Könige der 22. Dynastie nach ihrer Herkunft die "Bubastiden". Bis heute aber lässt sich nicht zweifelsfrei belegen, dass Bubastis auch tatsächlich - neben Tanis -Residenzstadt dieser Dynastie war.
Auch in der Spätzeit genossen Stadt und Tempel königliche Aufmerksamkeit: Nektanebos II. ließ das Sanktuar des Bastet-Tempels komplett erneuern. Die Auffindung des Kanopus-Dekretes im Eingangshof des Tempels im Jahre 2004 belegt, dass der Bastet-Tempel noch bis in die Ptolemäerzeit zu den wichtigsten Heiligtümern Ägyptens zählte.