Kunstwerk des Monats April 2001

 
Stadtfürst von Theben - Sitzfigur des Montemhet
Montemhet

Granit
1906 erworben
Höhe = 49 cm
25./26. Dynastie
um 675-650 v.Chr.
Inv.-Nr. 17271

zum Vergleich:
Mantelstatue des Chertihotep
Mittleres Reich
12. Dynastie
1800 v.Chr.
Vorgestellt und erläutert durch Frau Dr. Hannelore Kischkewitz
Ägyptisches Museum Berlin
am 1. April 2001 in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin
Veröffentlichung des nachfolgendes Textes mit freundlicher Genehmigung der Autorin
Montemhet, Bürgermeister von Theben, 4. Prophet des Amun, Gouverneur des thebanischen Gaues und mächtigster Mann in Oberägypten am Ende der 25. Dynastie, sitzt - in einen langen, eng anliegenden Mantel gehüllt - auf einem würfelförmigen Hocker mit niedriger Rückenlehne. Er trägt das Haar in feinen Strähnen. Das herzförmig geschnittene Gesicht mit den breiten Backenknochen und weich geformten Wangen ist in den Einzelheiten wohlgebildet. Auffällig ist der relativ schmallippige und daher streng wirkende Mund. Die Mundwinkel sind besonders markiert, so dass ein leichtes Lächeln entsteht. Der vornehme Mann trägt einen leicht gewellten, strähnigen Bart von naturalistischer Ausführung. Dagegen wirken die Hände plump und leblos, wenn auch die Linke von der Bemühung geprägt scheint, den Mantel eng um den Körper zu ziehen, eine Geste, die den Betrachter erreicht. Die Modellierung der Füße mit Knöchel, Spann, Ferse und Zehen verrät den gut beobachtenden Künstler, einen Meister der Beherrschung des Steines. Durch das eng anliegende Gewand zeichnen sich die Körperkonturen deutlich ab. Die Kostbarkeit des Gewandes betont am Saum eine Borte, die in zartem Relief wiedergegeben ist. Träger, am Halse sichtbar, halten ein Untergewand.

Der Typus des sitzenden Mannes im eng anliegenden Mantel ist in der altägyptischen Kunstentwicklung seit dem Alten Reich bekannt. In Haltung, Tracht und Aufbau zitiert auch hier der unbekannte Künstler der Montemhet-Statue stilistische Vorbilder, die 1200 Jahre älter waren. Daher wurde in diesem Raum (des Museums) die Mantelstatue des Montemhet (25./26. Dynastie, um 670 v.Chr.) der Mantelstatue des Chertihotep als der klassischen Urform dieses Typs (Mittleres Reich, 12. Dynastie, 1800 v.Chr.) gegenübergestellt. Der für das Mittlere Reich maßgebenden Form des Statuentyps schließt sich die Montemhet-Plastik (mit Details aus der frühen 18. Dynastie) aufs Engste an. Es wurde bewußt versucht, ein durch und durch altertümliches Werk zu schaffen. Daher bedarf es genauen Hinsehens, um auszuschließen, dass sich Montemhet eine Statue des Mittleren Reiches angeeignet hat. Die Unterschiede sind gering und nur dem Kenner sichtbar. So ist die feinsträhnige Perücke ein Produkt der 22. Dynastie, Sandalen werden in den Darstellungen erst seit der 18. Dynastie wiedergegeben, der gekräuselte Bart könnte eine individuelle Zutat sein. Im Vergleich beider Statuen erscheint die des Mittleren Reiches geschlossener und einheitlicher, aber auch starrer und unbewegter, zumal eine Inschrift bei Chertihotep, die den Stein optisch aufgelockert hätte, fehlt. 

Montemhet hat sich in seinen Ehrenstatuen in verschiedenen Stilen und unterschiedlichen Statuentypen darstellen lassen. Ihm standen als dem maßgebenden Mann in der Verwaltung des thebanischen Gottesstaates die besten Bildhauer zur Verfügung. Kunsthistorisch interessant ist der Vergleich des Gesichts der Mantelstatue in dem nahezu realistisch gestalteten Gesicht seiner aus dem Mut-Tempel in Karnak stammenden Statue (Curtius: "Es ist, als hörte man den asthmatischen Alten röchelnd atmen"). In Anlage von Augen, Backenknochen und Mund gibt es eine Art Übereinstimmung. Denn jeder Zug des realistischen Porträts ist in dem der Mantelstatue erkennbar, allerdings umgesetzt in den Stil des in der 25./26. Dynastie kopierten idealistischen Porträts des Mittleren Reiches. Auch die Berliner Statue stellt daher eine Meisterleistung in der künstlerischen Auffassung eines Mannes voller Würde in reiferem Alter dar.

Die geistige Grundstimmung der Zeit wurde von einem gewisen Archaismus geprägt, der sich an den Werten und Kunstformen des Alten und Mittleren Reiches orientierte. Die Denkmäler des Montemhet, seine Statuen und die aufwändige Dekoration seines Grabes (Theben, Grab 34) stehen an der Spitze einer thebanischen Renaissance.

Die Inschriften (nach Walter Wreszinski

1. Auf dem Mantel
"Alles, was auf den Opferaltar des Amun-Re, Herrn der Throne Ägyptens, und seiner Neunheit kommt, sei für den Fürsten, 4. Priester des Amun, Bürgermeister von Theben, Gouverneur der Thebais - Montemhet".

2. Auf dem Sitz vorn rechts, rechte Seite und Rückseite
"Der Fürst, 4. Priester des Amun, Bürgermeister von Theben, Montemhet, spricht: (An) jeden Priester und Gottesvater, die eintreten, um an dieser Stellle zu beten. Euch belohnt der große Amun und er erhält euch in euren Kindern, wenn ihr meinen Namen täglich bei den Gebeten der Opfer nennt, die an dieser Stelle dargebracht werden. Denn ich bin ein Edler nach dem, was ich getan habe, ein wahrhaft vornehmer Mann, der von seinem Herrn geliebt wird. Ich habe den Tempel der großen Mut von Karnak neu gebaut, so dass er schöner ist als der, der vorher dagestanden hat. Ich habe seine heilige Barke aus Elektron gefertigt, all ihre Statuen aus echtem Gestein. Ich habe die Lade des Chonskindes neu hergestellt und die heilige Barke der Bastet im Gau von Theben. Ich erfreute ihre Majestät (Gottesgemahlin Schepenupet III.) mit dem, was sie liebt. (Es folgt eine Aufzählung dessen, was er für den Gott Chons getan hat) ... Ich habe das Götterschiff des Osiris in Abydos erbaut, nachdem ich es im Zustande des Verfalls gefunden hatte. Nicht ermüdete ich, noch ließ ich meine Hände ab, ehe ich wieder hergestellt hatte, was ich zerstört fand. Darum soll, wer Amun, den Herrn des Himmels, liebt, den Namen des Montemhet, Fürsten und Vorstehers der Tempel, in seinem Heiligtum nennen."

3. Auf dem Sitz, vorn links und auf der linken Seite
"Der Fürst, 4. Priester des Amun, Gouverneur der Thebais, er spricht: Was ich für euch getan habe, habe ich als Lobenswertes getan. Ich tue euch meine Tüchtigkeit kund, als ich Gouverneur der Thebais war und das ganze Südland unter meiner Herrschaft stand, in dem meine südliche Grenze bis Elephantine und die nördliche bis Hermopolis reichte. Ich wandte meine Tüchtigkeit dem Süden und meine Sorgfalt dem Norden zu, so dass die Bewohner meines Landes um meinen Anblick gefleht haben, wie um den des Re, wenn er sich sehen lässt, wegen meiner großen Leistungen und meiner Tüchtigkeit".

4. Auf dem Rückenpfeiler
"O du Stadtgott des Montemhet, des Fürsten, 4. Priester des Amun, Bürgermeister von Theben und Gouverneur des Südlandes! Mögest du hinter ihm sein, während sein Ka vor ihm ist. Er ist Inj".

Der soziale Hintergrund - Montemhet und seine Familie

Montemhet entstammte einer vornehmen thebanischen Familie, die sich im höheren Beamtendienst mehrere Generationen ausgezeichnet hatte. Urgroßvater, Großvater und zwei Onkel väterlicherseits hatten das Veziramt bekleidet. Sein Vater Nesptah war Bürgermeister von Theben gewesen. Diese Männer hatten ihre Laufbahn beim Heer als Schreiber begonnen und sich in eine Vertrauensstellung zu den Königen kuschitischer Abkunft in der Verwaltung des Gottesstaates in Theben manövriert. Seine Mutter hieß Iset-em-hab. Er war mit drei Frauen verheiratet: Mit Neschons, der Mutter seines Erben und Sohnes Nesptah, mit der Dame Schep-en-mut, sowie mit Udja-ren-es, einer Prinzessin kuschitischer Abkunft. Fixpunkte von Montemhets Lebensdaten gibt es unter dem kuschitischen Pharao Taharka (689-663 v.Chr.), unter der Besatzung und Plünderung Thebens durch die Assyrer unter Assurbanipal (667/66 v.Chr.) und dem anschließenden Vertreiben des Feindes und Wiederaufbau. Seiner Rolle verdankt Montemhet den Ehrentiel eines Vorstehers der Propheten von Ober- und Unterägypten. Nach dem Dynastiewechsel zur 26. Dynastie wird Montemhet bei der Adoption der Nitrokris, Tochter des Königs Psammetich I., als künftiger Gottengemahlin erwähnt (656 v.Chr.). Sein Name ist noch 651 v.Chr. anlässlich eines Orakels bezeugt. Er stirbt wohl um 648 v.Chr. Er war der mächtigste Mann in Oberägypten. Sein Herrschaftsgebiet umfasste ca. 600 km von der Insel Elephantine nach Hermopolis. Die Assyrer bezeichneten ihn als "Herrscher von Theben". Er regierte die Thebais loyal für den kuschitischen Herrscher Taharka und stand neben Schepenupet, der Schwester des Königs und Trägerin des klerikalen Amtes einer "Gottesgemahlin des Amun" an der Spitze des Staates.

Fotos: Gitta Warnemünde

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