Kunstwerk des Monats März 2001

 
Gesichtsverlust - Büste des Echnaton
Büste des Königs Echnaton
Kalkstein
aus Amarna
(Grabungen der Deutschen Orientgesellschaft 1912)
18. Dynastie, um 1340 v.Chr.
Inv. 21360
Vorgestellt und erläutert durch Professor Dietrich Wildung
Ägyptisches Museum Berlin
am 4. März 2001 in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin
Veröffentlichung des nachfolgendes Textes mit freundlicher Genehmigung des Autors
In Sichtverbindung zur perfekt erhaltenen Büste der Königin Nofretete präsentiert, zeigt die Büste von deren Gemahl König Echnaton schonungslos die Zerstörungen, die ihr wohl nicht absichtlich im Zuge des Bildersturms der Nachamarnazeit zugefügt worden sind. Der Kopf ist an der "Sollbruchstelle" am Hals vom Oberkörper gebrochen, wobei sich das Gesicht vom Schädel trennte und die rechte Gesichtshälfte in mehrere Stücke zerbrach. Der Mund ist bis auf den linken Mundwinkel zerstört.

Das Königsporträt ist nicht Teil einer vollständigen Statue, sondern ist als Büste mit glatter Standfläche gearbeitet. Ein Rückenpfeiler stützt die weit nach hinten ausgreifende "Blaue" Krone. Sie trägt vorn den kreisdrund gelegten Leib der Uräusschlange, der sich über den Scheitel bis zum Hinterkopf zieht. Der Schlangenkopf war - wohl aus vergoldetem Holz - in einem Zapfloch über der Stirn befestigt. Den unteren Kronenrand bildete ein vergoldeter Saum (Reste der Vergoldung über dem rechten Ohr). Über die Schultern ist ein mehrreihiger, blau und rot bemalter Schmuckkragen gelegt, auf dessen Mittelstreifen vergoldete Mandragora-Früchte aufgesetzt sind. Die ursprüngliche Farbigkeit - blaue Krone, dunkel braunrote Haut - ist vielfach erhalten.

Die Reduzierung auf die Büstenform und die Ausflickungen mit Gips (z.B. am unteren Rand des Kragens) sind Indizien für die Funktion des Porträts als Modell für die akademische Ausbildung der künftigen Künstler aus Amarna. Der Fundort bestätigt dies. Die Büste stammt aus dem Gebäudekomplex der Oberbildhauers Tuthmosis in Amarna, der wohl eine der zentralen Ausbildungsstätten für Echnatons Künstler war. Die in großer Zahl hier ausgegrabenen königlichen und nichtköniglichen Bildnisse bildeten zusammen mit unfertig belassenen Werkstücken offenbar die Modellgalerie einer königlichen Kunstakademie.

Trotz der starken Beschädigungen läßt das Gesicht die unverwechselbaren Gesichtszüge des Königs Echnaton erkennen, wie sie in einer nahezu identischen, sehr gut erhaltenen Büste des Königs im Pariser Louvre (vgl. Abbildung unten Mitte und rechts) zu sehen sind: Schlitzförmige Augen mit schwerem Oberlid, hängende Mundwinkel, ein spitz zulaufendes, hängendes Kinn. Auch die Körperhaltung ist charakteristisch: Der Nacken ist weit nach vorn gebeugt, so daß eine fast bucklige Gestalt entsteht. gegenüber den extrem unanatomischen Darstellungen der frühen Bildnisse des Königs (Abb. unten links) ist der Stil gemäßigt, so daß die Büste innerhalb der Regierungszeit Echnatons (1353-1336 v.Chr.) in die späten Jahre zu datieren ist. Damit fügt sie sich stilistisch in die Zeit der Nofretete-Büste, die - wie erst neuerdings festgestellt - in ihren deutlich sichtbaren Tränensäcken unter den Augen das fortgeschrittene Alter der Königin erkennen läßt.

Fotos: Gitta Warnemünde, mit Ausnahme der Aufnahmen der Echnaton-Büste aus dem Louvre; sie wurden dem Manuskript des Autors entnommen

Echnaton-Relief, Äg. Museum Berlin
Relief
Ägyptisches Museum, Berlin
Echnaton-Büste, Louvre, Front
Büste...
Echnaton-Büste, Louvre, Profil
...Louvre, Paris

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