Jung geblieben - Reliefbildnis Amenophis' III

 

alter Zustand

Kalkstein
Neues Reich
18. Dynastie, um 1370 v.Chr.
Theben-West
Grab des Chaemhet (TT 57)
Erworben 1899 von Dr. Reinhardt
Inv.-Nr. 14442


frisch restauriert

 
Vorgestellt und erläutert durch Dr. Olivia Zorn
Ägyptische Museen und Sammlungen Berlin
am 3. März 2002 in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin
Veröffentlichung des nachfolgendes Textes mit freundlicher Genehmigung der Autorin

 
Das Bildnis zeigt den Pharao Amenophis III. als jungen dynamischen Herrscher; er trägt die blaue Krone, die mit einer Uräusschlange verziert ist, und um den Hals einen doppelreihigen Kragen aus Goldplättchen. Dieser Schmuck war eine Auszeichnung des Königs für herausragende Militärführer. Über der Brust sind die Reste des Stabes des königlichen Wedels und der Daumen der rechten Hand erkennbar. Das Reliefstück stammt aus dem Grab des Chaemhet, vom südlichen Abschnitt der Westwand in der Eingangshalle, links vom Durchgang zum Korridor. Chaemhet war während der letzten Regierungsphase Amenophis' III. Vorsteher der Scheunen von Oberägypten. Die Reliefs in der Eingangshalle zeigen die Getreideabrechnung und die Belohnung der Domänenbeamten im Beisein Pharaos, der zweimal unter einem Baldachin thronend dargestellt ist. Auf der einen Seite - von der das vorgestellte Bruchstück stammt - trägt er die blaue Krone, die deutlich auf den offiziellen Charakter der Szene hinweist, auf der anderen Seite nur die mit einem Diadem geschmückte Löckchenperücke.

Amenophis III. an ähnlicher Position, aber im Grab des Cheruef (TT 0192)

Kopf des Reliefs an der gegenüberliegenden Wand im Grab des Chaemhet (TT 57)

Das gesamte Relief ist - bis auf einige verlorene Teile - heute noch im Grab vorhanden und zeigt den König mit einem langen Schurz bekleidet unter einem Baldachin auf einem Löwenthron sitzend. Der dort fehlende Königskopf wurde in Gips ergänzt. In den Händen hält er die Herrschaftsinsignien, Krummstab und Geißel, und das Lebenssymbol (Anch). Zwischen den Löwenbeinen des Stuhles sind zwei gefesselte Gefangene dargestellt, auf der seitlichen Lehne erscheint der König als Sphinx, der einen Feind niedertritt. Diese Darstellungen dokumentieren anschaulich die Macht Pharaos.

Auf dem Bruchstück ist gegenüber dem Uräus an der Krone eine weitere Schlange zu erkennen. Sie ringelt sich ursprünglich um eine Sonnenscheibe, die heute verloren ist. Vergleichbare Szenen findet man in anderen thebanischen Privatgräbern, in denen Amenophis III. oder sein Sohn und Nachfolger Echnaton dargestellt ist.

Detail:
zwei sich gegenüber stehende Uräen
 



 

Amenophis III. mit Uräensonnenscheibe, hier hinter dem Kopf des Königs

Die historische Person

Amenophis III., der 9. König der 18. Dynastie, regierte 38 Jahre. Er ist der Sohn von Thutmosis IV. und einer Nebengemahlin, Mutemwia. Da er schon mit 12 Jahren den Thron besteigt, übernimmt zunächst - wie in der ägyptischen Geschichte üblich - seine Mutter die Regierungsgeschäfte für ihn. Zur großen königlichen Gemahlin erwählt er die aus bürgerlichen Verhältnissen kommende Teje, deren Familie sehr einflußreich war. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne und vier Töchter. Der älteste Sohn Thutmosis verstirbt schom im Jugendalter, so dass der zweite Sohn, Amenophis IV., der spätere Pharao Echnaton, zum Thronfolger aufsteigt. 

Durch geschickte Heiratspolitik sichert sich Amenophis III. Verbündete im asiatischen Bereich, mit denen er Briefkontakt pflegt und Handelsbeziehungen unterhält.

Seine Politik ist eher auf ein friedliches Miteinander der verschiedenen Fremdvölker als auf kriegerische Expansion gerichtet - allerdings führt er auch militärische Unternehmungen in Nubien und im Sinai durch. Er widmet sich aber vor allem einer aktiven Bautätigkeit im eigenen Land. Neben dem Luxor-Tempel und seinem Totentempel mit den monumentalen Sitzstatuen - heute als Memnonkolosse bekannt - errichtet er weitere kleinere Bauten im Delta, in Mittel- und Oberägypten.

Über bedeutende Ereignisse seiner ersten elf Regierungsjahre informieren Gedenkskarabäen, die in fünf Serien geprägt wurden und "private" Angelegenheiten behandeln, den Harim und Jagden betreffend. Tempelbauten und kriegerische Ereignisse werden auf ihnen nicht erwähnt.


Gedenkskarabäen des Amenophis III.

Sein erstes Regierungsjubiläum (Heb-Sed-Fest) feiert Amenophis III. in seinem 30. Regierungsjahr, zwei weitere folgen (34. und 37. Jahr). Seine Grabanlage, in einem westlichen Seitenarm des Tales der Könige gelegen, ist mit ausführlichen Szenen aus dem ägyptischen Totenbuch (Amduat) und verschiedenen Götterdarstellungen dekoriert. Allerdings hat sich davon - ebenso wie von der Grabausstattung - nur wenig erhalten.

In der langen Regierungszeit Amenophis' III. entstehen zahlreiche Bildwerke des Königs, sowohl in der Rundplastik als auch im Flachbild. Bei beiden Darstellungsarten wandelt sich sein Aussehen, so dass man unterschiedliche Altersstufen ausmachen kann. Am Anfang seiner Regierung tritt er dem Betrachter in Jugendbildnissen entgegen, über einen langen Zeitraum lässt er sich als junger dynamischen Herrscher darstellen, gegen Ende seines Lebens werden deutlich Altersmerkmale sichtbar.

Darstellungen aus seiner letzten Lebensphase zeigen ihn als übergewichtigen, von Krankheit gezeichneten Mann. Zur Linderung seiner Leiden vertraute er auf die Hilfe der Göttin Sachmet, der er im Mut-Tempel von Theben und in seinem Totentempel insgesamt 600 lebensgroße Statuen weihte, die sich heute in Museen der ganzen Welt - auch in der Berliner Ausstellung - befinden.

Neben den offiziellen Bildnissen Amenophis' III., die in den Tempeln aufgestellt waren, gibt es Darstellungen des Königs im privaten Bereich, in den Gräbern seiner Beamten. Hier erscheint er - unabhängig von seinem tatsächlichen Alter - als junger aktiver Herrscher. Dies soll seine Befähigung zur Amtsführung unterstreichen. Auch seine Darstellungen im Grab des Chaemhet zeigen keinerlei Altersmerkmale, obwohl er zu dieser Zeit schon mindestens 45 Jahre als war und an Krankheiten litt.

Geschichte des Objektes

Das Herausschneiden von Reliefteilen aus Grab- und Tempelwänden war eine im 19. Jahrhundert häufig angewandte Praxis, um dem europäischen Wunsch nach ägyptischen Originalen entgegen zu kommen. Dabei zerfielen die Reliefstücke häufig in kleinere Teile. Ein solches Konglomerat erwarb Dr. Reinhardt 1899 in Ägypten für das Berliner Museum. Die unscheinbaren Teile wurden in Berlin zu einem Bild zusammen gefügt, fehlende Teile (z.B. die Nase) ergänzt und in Gips eingebettet. In dieser Form wurde es dann Anfang des 20. Jahrhunderts der Öffentlichkeit präsentiert.

Den zweiten Weltkrieg überlebte das Objekt weitgehend unbeschadet; 1946 wurde es wie ein Teil des Sammlungsbestandes zur Aufbewahrung in die Sowjetunion verbracht. Deshalb konnte es 1953 bei der Wiedereröffnung des Ägyptischen Museums im Ostteil der Stadt auf der Museumsinsel dem Publikum noch nicht präsentiert werden. Nach der Rückführung der Objekte 1958/59 wurde eine neue Ausstellung geplant und 1961 realisiert. Bei dieser was das Reliefbildnis eines der heruasragenden Objekte, es zierte sogar die Titelseite des Kataloges. 1973-76 wurde die bestehende Ausstellung überarbeitet; bei der restauratorischen Überarbeitung des Objektes zur Neuaufstellung zerfiel dieses aufgrund seines durch Salzausblühungen geschädigten Zustandes in kleine und kleinste Bruchstücke. Anstelle des Originals wurde daraufhin ein Gipsabdruck gezeigt, der vor dem 2. Weltkrieg angefertigt worden war und der das Relief mit allen Ergänzungen zeigte. Das Originalobjekt verblieb in seinem zerstörten Zustand nahezu 30 Jahre lang - bis man vor kurzem die Restaurierung finanzieren konnte. In mühevoller Feinarbeit setzte der Restaurator Paul Hofmann die einzelnen Teile wieder zusammen, reinigte sie, entfernte die Salzausblühungen und stellte den ursprünglichen Zustand wieder her - mit Verzicht auf alle modernen Ergänzungen. Das restaurierte Objekt wurde auf eine Marmorplatte montiert, um sowohl die ungewöhnliche - originale - rosa Färbung des Kalksteins hervorzuheben, als auch den fragmentarischen Charakter des Objektes zu verdeutlichen. Denn es handelt sich - wie oben beschrieben - nur um einen kleinen Ausschnitt einer größern Szene.

Das Bildnis zeigt in prägnanter Weise die jung gebliebene und lebendige Herrscherpersönlichkeit Amenophis' III., der zu Unrecht oft im Schatten seines Sohnes Echnaton steht.

Dr. Olivia Zorn

Fotos: Gitta Warnemünde, mit Ausnahme von
Relief im alten Zustand
aus "Kunst in Altvorderasien und Ägypten", VEB Verlag der Kunst Dresden, 1977
Amenophis III. mit Uräensonnenscheibe
aus dem Katalog des Ägyptischen Museums Kairo, von Zabern

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