Großfamilie

 
Gruppenstatue des Ptahmai
Tochter
Henut-Demiu
Ptahmai
Tochter Iniuhaj              Gattin Hatschepsut
Enkel
Ramose
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Vorgestellt und erläutert durch Dr. Hannelore Kischkewitz
Ägyptische Museen und Sammlungen Berlin
am 3. Februar 2002 in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin
Veröffentlichung des nachfolgendes Textes mit freundlicher Genehmigung der Autorin

 
Singulär für die Epoche Ramses' II. steht diese Gruppenplastik eines Privatmannes als Monument geschichtlicher Überlieferung. Usprünglich befand sie sich wohl in der Kultnische der Grabkapelle des Familiengrabes in Sakkara, der Nekropole von Memphis. Das Grab wurde zwar noch nicht gefunden, aber der Titel des Ptahmai als Wab-Priester des Ptah deutet auf das Gebiet von Memphis als Lebensraum der Dargestellten. Sie sind in vier Generationen benannt, im Bilde zu sehen, und symbolisieren auf diese Weise den Gedanken des Fortlebens in den direkten Nachkommen, vielleicht auch ein Ausdruck keimenden Geschichtsbewußtseins im Privaten.

Die Darstellung
Auf der Vorderseite des Bildwerkes sitzen, plastisch ausgeformt, Ptahmai zwischen seiner Frau Hatschepsut (zu seiner Linken) und der Tochter Iniuhaj. Das Elternpaar unterscheidet sich in der Kopfhöhe von der sitzenden Tochter. Ptahmai wird von Frau und sitzender Tochter umarmt - eine "Familienidylle", ein Symbol großer Harmonie. Vor Tochter und Vater, winzig aus Bescheidenheit, steht die Stifterin des Familienbildes, die zweite Tochter des Paares mit Namen Henut-Demiu. Daneben, ebenfalls klein, steht ihr Sohn Ramose, der Enkel des Ptahmai. Zentralfigur der Plastik ist Ptahmai. Er ist kahlköpfig dargestellt und trägt eine doppelte Kette von Goldscheibenperlen um den Hals. Diese beiden äußeren Kennzeichen lassen Rückschlüsse auf die Biographie dieses Mannes zu. Die beiden Ketten ("Gold der Tapferkeit") verweisen auf Verdienste im Militär. Diesen Teil seiner Karriere, die auf eine erfolgreiche Teilnahme an den Kriegszügen Ramses' II. schließen läßt, verschweigen die Inschriften. Gezeigt wird Ptahmai in der zweiten Hälfte seines Lebens als würdiger Priester und daher kahlköpfig, wie es die Reinheitsgebote für diesen Stand vorsahen. Er nennt sich Wab-Priester des Ptah. In Zusammenhang mit der militärischen Auszeichnung bedeutet es, dass Ptahmai als Dank für seine Tüchtigkeit in seiner Offizierslaufbahn eine Pfründe beim Ptahtempel als Alterversorgung erhielt, eine seit der Zeit der Königin Hatschepsut oft geübte Praxis gegenüber verdienten Militärs. Als Wab-Priester trug er weisse, im Kult auch silberne Sandalen und ist daher auf dem Familienbild als einziger mit diesen bekleidet. Links von ihm sitzt seine Frau Hatschepsut, "Sängerin des Amun", rechts die Tochter Iniuhaj, als Haremsdame des Pharao gesellschaftlich die ranghöchste Person der Gruppe. Die Stifterin des Bildwerkes, Henut-Demiu, "Sängerin des Amun", mit einem Sistrum in der rechten Hand, steht bescheiden zu Füßen der Eltern. Mit kindlicher Geste legt sie die Hand an den Schurz des Vaters. Sie versichert in der Inschrift, dass sie das Bildwerk schaffen ließ, "um ihre (der gesamten Familie) Namen leben zu lassen". Klein wie sie selbst ist auch ihr Sohn Ramose dargestellt. Er trug den Titel "Diener des Pharao". Die drei Hauptfiguren sitzen auf den im Neuen Reich modischen Sesseln mit Rückenlehne. Modisch ist auch die Bekleidung der Damen mit aufwändigen Halskragen, kunstvollen schweren Perücken und langen plissierten, kostbaren Gewändern. Der Priester trägt ebenfalls einen modischen Schurz aus plissiertem Leinen, der elegant unterhalb des Bauchnabels gebunden wird, dazu eine Schärpe quer über den mit Wohlstandsfalten als Statussymbol versehenen Leib.

Die Rückseite der Sessellehne zeigt im Relief in zwei Registern Szenen vor dem Opfertisch, wie sie auf Grabsteinen üblich sind. In der oberen Reihe sitzen wohl die Eltern des Ptahmai, der Vater mit Namen Inj, ehemals Oberster Schreiber des Königs, und seine Frau. Vor beiden führt ein anderes Paar stehend Opferhandlungen durch, z.B. "Weihrauch darbringen durch den Sohn" (Name verloren). Sicher handelt es sich hier um Ptahmai und seine Frau. Beiden wird im unteren Register von ihren Nachkommen, den drei Töchtern Iniuhaj, Henut-Demiu und Schenes-Jat, das gleiche für eine Weiterleben im Jenseits wichtige Ritual zelebriert.

Die Gruppenplastik des Ptahmai strahlt einen eigenen Zauber voll Schönheit und Würde aus. Unbestritten ist die große handwerkliche Qualität. Der verfeinerte Stil in der Modellierung der Leiber lässt an ein künstlerisches Erbe, an die Seherfahrung der Amarnazeit denken. Leichtigkeit und Grazie, dazu das eigenartige Lächeln stellt diese Plastik in die Reihe der Vertreter des "schönen Stils" der Zeit Ramses' II., in der als Einzelfigur oder als Gruppe überfeinert gekleidete Menschen mit leicht sentimentalem Lächeln als Grabplastik oder Tempelbild überliefert wurden. Die Form des Gruppenbildes ist weniger häufig, aber seit der Erfindung im Alten Reich (Mykerinus-Gruppe) künstlerisch nicht vergessen worden. Das Lächeln findet sich in den Königsbildnissen Ramses' II. wieder, wie ein Programm der Zeit.

Die Erwerbung (nach Archivmaterial des Ägyptischen Museums)
Auch Kunstwerke haben ihre Geschichte. Im Jahre 1829 bot der damalige Polizeipräfekt von Paris, M. Saulnier, seine Sammlung ägyptischer Altertümer dem Ägyptischen Museum Berlin für ca. 60.000 Frc. zum Kauf an. Gern, so versicherte Saulnier, hätte er seine Sammlung in diesem bedeutenden Museum gesehen. Aber bei der Höhe des Preises konnte ein Ankauf nicht realisiert werden. Saulniers Erben boten die um Weniges dezimierte Kollektion 1839 erneut dem Berliner Museum an. Dieses Mal für 30.000 Frc. incl. Verpackung und Verschiffung. Der Ankauf wurde getätigt, eine Ratenzahlung vereinbart und nach vielen Abenteuern zu Wasser und zu Lande (u.a. war das Transportschiff vor Helgoland eingefroren) kam endlich am 15.1.1840 die wichtige Ladung im Ägyptischen Museum (damals im Schloss Monbijou) an. Der deutsche Spediteur Lemm ließ sich ein Zertifikat über Unversehrtheit der Ladung ausstellen. Am 18. Januar schickte J.J. Passalacqua als dankbarer Direktor ein Schreiben mit Übersetzung und Beschreibung des Stückes an den Generaldirektor, Legationsrat v. Olfers.

Frisch restauriert
Unter diesem Rahmenthema werden Objekte vorgestellt, die gerade aus den Restaurierungswerkstätten kommen. Es ist dies die besondere Situation des Berliner Ägyptischen Museums, dass Krieg und Nachkriegszeit gravierende Folgen für den Bestand und oft das einzelne Stück bewirkt haben. Es wurde oft Erstaunliches geleistet, um den altägyptischen Objekten wieder Bedeutung und den Schmelz des Kunsthandwerkes zu verleihen, eine Tendenz zu retten und zu erhalten. Schritt für Schritt hat sich das Restauratorenteam Gerhard Kunze und Sebastian Röhl dem Gruppenbild genähert. In einer sehr intensiven Arbeitsphase, die zeitaufwändig war und Fingerspitzengefühl für das Machbare verlangte, entwickelte sich die Restaurierung zu einem komplizierten Prozess unvorhersehbarer Abläufe. Die Ergebnisse liegen gut dokumentiert in Aktenstärke vor. Dem Laien nachvollziehbar sind Arbeitsschritte wie Entfernen der Schmutzschicht und der alten verfälschenden Ergänzungen, dabei Festigen und Behandeln des Steins und Einbringen von Ergänzungen mit einem eigens erfundenen Gesteinsmörtel. Die Ergänzungen sind angepaßt in der Farbe und befinden sich leicht unter der Oberfläche, dem forschenden Auge sichtbar.

Fotos: Gitta Warnemünde

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