| Der kleine Prinz Miniatursarg für Nofretetes Schwager Neues Reich, 18. Dynastie, Zeit Amenophis III., um 1360 v Chr. |
| Vorgestellt
und erläutert durch Professor Dietrich Wildung Ägyptische Museen und Sammlungen Berlin am 1. Dezember 2002 in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin Der Begleittext stammt aus der Ausstellung des Monats-Kunstwerkes |
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Zwei
Erwerbungen des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin
und ein bislang wenig beachtetes Reliefs aus den Beständen des Staatlichen
Museums Ägyptischer Kunst München liefern interessante Informationen
zu einer der am häufigsten und intensivsten duskutierten Epochen der
ägyptischen Geschichte, der Amarnazeit, der Zeit des Pharao Echnaton
und seiner Gemahlin Nofretete (1353 - 1336 v.Chr.)
Das
mumiengestaltige Uschebti auf dem löwenköpfigen Balsamierungsbett
zeigt laut Inschrift den "Königssohn und Sem-Priester Tuthmosis". Auf
seiner Brust hockt der Seelenvogel mit menschlichem Kopf und menschlichen
Armen und Händen. Die kugelige Perücke trägt an der Schläfe
die Seitenlocke des Sem-Priesters.
Zu der
kleinen Steatit-Figur gehört der Miniatursarkophag aus Kalkstein, in
dessen Aushöhlungen sich die Balsamierungsbahre einfügen läßt.
Die schlecht erhaltenen Inschriftbänder auf seinen Längsseiten
nennen Titel und Namen desselben Tuthmosis. Auf dem Fußende der Sargwanne
wie beim Balsamierungsbett die kniende Göttin Isis. Aus dem Sargdeckel
sind Gesicht, Perücke und Hände plastisch herausgearbeitet.
Auf
dem Münchner Relief ist der Prinz mit Kugelperücke und Seitenzopf
dargestellt. Die Instriftreste nennen die gleichen Titel und Namen wie auf
Sarg und Bahre. Links vor dem Prinzen stand sein Vater Amenophis III. (Reste
von Krone und Schulter). Das
Relief stammt aus einem von Auguste Mariette um 1850 in Sakkara ausgegrabenen
Grab des heiligen Apis. Es war der Prinz Tuthmosis, der als Hohepriester
des Ptah von Memphis und Vorsteher der Priester von Ober- und Unterägypten
für diese Bestattung verantwortlich war. Es ist das älteste Apis-Grab,
aus dem sich die ausgedehnten Katakomben des Serapeums entwickeln, die bis
in die Ptolemäerzeit als Bestattungsort der heiligen Apisstiere benutzt
werden. Als
Kronprinz war Tuthmosis dazu bestimmt, Nachfolger Amenophis' III. zu werden,
verstarb aber vor seinem Vater. Wahrscheinlich wurde er in der Nähe
des von ihm angelegten Apisgrabes bestattet. Nach seinem vorzeitigen Tod rückte sein jüngerer
Bruder, der Prinz Amenophis, in die Thronfolge nach. Als Amenophis IV. bestieg
er 1353 v.Chr. den Thron und revolutionierte mit dem von ihm verkündeten
Monotheismus der Sonnenreligion des Aton alle Lebensbereiche Ägyptens.
Um 1348 v.Chr. zog er mit seiner Großen Königlichen Gemahlin Nofretete
von Theben in die neu gegründete Hauptstadt Amarna in Mittelägypten
um. Bei der Ausgrabung der Stadt durch eine Berliner Expedition
entdeckte Ludwig Borchardt 1912 die Werkstatt eines Hofbildhauers, aus der
die meisten der zahlreichen Porträts der Amarnazeit im Ägyptischen
Museum Berlin stammen, darunter die Büste der Nofretete. Wäre der Kronprinz, der die traditionellen Kulte pflegte,
nicht früh verstorben, sondern als Tuthmosis V. König geworden,
dann hätte die Amarnazeit mit ihrer religiösen Revolution nicht
stattgefunden, wäre Amarna nicht erbaut worden, gäbe es die aussergewöhnlichen
Kunstwerke dieser Epoche nicht, auch nicht Nofretetes weltberühmt gewordenes
Berliner Porträt.
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