Der gute Geist des Hauses
Zum 100. Geburtstag des Restaurators Max Brzyski

Vorgestellt und erläutert durch Myriam Krutzsch
Ägyptische Museen und Sammlungen Berlin
am 4. Mai 2003 in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin
Veröffentlichung des nachfolgendes Textes mit freundlicher Genehmigung der Autorin
  
Anlass für den Vortrag war der 100. Geburtstag von Max Brzyski, der - nachdem er eine Lehre als Buchbinder absolviert und Kriegswirren sowie diverse Lebensstationen hinter sich gebracht hatte - von 1963 bis 1969 als Payrusrestaurator im Ägyptischen Museum in Berlin-Charlottenburg tätig war.

Die Auflösung von Papyruskartonagen zur Rückgewinnung antiker Texte

In der griechisch-römischen Zeit wurden Papyrushandschriften von Sargfabrikanten en gros aufgekauft. Aus ca. 6-8 Lagen zusammengeklebten Einzelblättern fertigte man Mumiensärge. Diese Papyruskartonage wurde anschließend mit einer Stuckschicht aus Gips und Mörtel versehen, dann bemalt und oft auch vergoldet. In der Papyrussammlung befinden sich zahlreiche solcher Särge aus Papyruskartonage, von denen Max Brzvski einen Großteil aufgelöst hat
(siehe auch Kunstwerke des Monats Juni 2001)

  
Das Ausgangs"produkt" des nachfolgenden Beispiels

Die einzelnen Arbeitschritte sind folgende

Zuerst werden die größeren Stücke durch markante Schnitte in handhabbare Teile zerlegt.Anhand dieser Schnitte können später die herausgelösten einzelnen Papyrusblätter leichter rekonstruiert werden.



Danach wird die Stuckschicht entfernt. Unter fließendem Wasser wird der Stuck gelöst und sofort mit einem festen Pinsel abgebürstet.
Jetzt erfolgt die eigentliche Auflösung der Papyruskartonage. Die Kartonage kommt für mehrere Stunden in ein heißes Wasserbad, dem Essigsäure zugesetzt wird, da in der Kartonage zwei Klebstoffe mit unterschiedlicher Klebkraft wirken. Das einzelne Papyrusblatt besteht aus zwei Faserschichten, die durch die Klebkraft des Papyrussaftes zusammengehalten werden. Dieser Klebsaft ist schwächer als die Klebkraft des Kleisters, mit dem die einzelnen Blätter zur Kartonage zusammengeklebt worden sind. Nach und nach lassen sich dann die einzelnen Papyrusblätter voneinander ablösen. Die abgelösten Papyrusblätter werden anschließend in klarem Wasser gespült und erst einmal zwischen Silikonpapier unter leichtem Druck zwischen Holzpappen getrocknet.

In einem weiteren, diesmal kalten Wasserbad werden die einzelnen Papyrusblätter von Stuck und Kalk gereinigt. Auf einem feinen Sieb werden die Blätter mit feinen Pinseln in Faserrichtung ausgebürstet, wobei die Schriftpartien nur leicht betupft werden dürfen.


Die noch feuchten Blätter werden anschließend auf feuchtem Fließpapier geglättet, gerichtet und mit Methylcellulose fixiert. Danach kommen sie dann zum Trocknen zwischen trockene Fließpapiere unter leichten Druck. Den Abschluß der Restaurierung bildet das Sortieren und die Rekonstruktion zusammengehörender Fragmente.

Fotos: Gitta Warnemünde