Schlachtgesang
Die "Perser" des Timothoes von Milet
in der Papyrussammlung

Vorgestellt und erläutert am 2. Februar 200
in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin

 
Papyrus
letztes Drittel des 4. Jh. v.Chr.
aus Abusir bei Memphis
Inv.-Nr. 9875 


Umschrift

Vor genau 101 Jahren, am 01. Februar 1902, wurde das Klutlied "Die Perser" des Timotheos von Milet gefunden. Es gehört zu den ältesten überlieferten Literaturwerken in griechischer Sprache auf Papyrus. Der erhaltene Teil der Rolle von 115 cm Länge und 19 cm Höhe ist mit Versen ohne Worttrennung in fünf Kolumnen beschrieben. Die steifen, an Steininschriften erinnernden Zeichen legen für die Niederschrift das letzte Drittel des 4. Jahrhunderts nahe. Gefunden wurde die Rolle in einem Grabe des Dorfes Abusir, zusammen mit anderen Beigaben.

Timotheos feiert in dieser Dichtung, die von einem Solisten zur Kithara, dem charakteristischen Saiteninstrument des antiken Griechenlands, vorgetragen wurde, den Seesieg der Griechen über die Perser bei Salamis 480 v.Chr. Die Schilderung stellt nicht die Sieger, vielmehr die Katastrophe der geschlagenen Perser in den Blickpunkt.

Den Hauptteil bilden vier Reden, die bestimmte Situationen dramatisieren und ein lebendiges Bild der völligen Niederlage entstehen lassen. Ein im Meer treibender Schiffbrüchiger, ein Krieger, nur mit Mühe der aufgeregten See entgangen, ein Kriegsgefangener und zuletzt der persische König selbst kommen zu Wort.  In dem Stammeln eines gefangenen Persers wird das Benehmen eines nicht die griechische Sprache Beherrschenden vorgeführt. In einem persönlichen Teil verteidigt der Dichter seine musikalische Neuerung, die Einführung der elfsaitigen Kithara. Mit einem Anruf an den Gott Apollon und einem Segenswunsch für die Stadt, in der das Gedicht jeweils gesungen wurde, klingt das Stück aus.

Die Sprache des Timotheos steht in der Tradition der griechischen Lyrik. Die freien Rhythmen wirken durch sprachliche Künste und gesuchte Zusammensetzung schwülstig. Von dem musikalischen Vortrag können wir uns, da die Notierung verloren gegangen ist, nur indirekt durch einen Vergleich eine Vorstellung machen.

Fotos: Gitta Warnemünde
Die Umschrift ist ein fotografischer Auszug aus dem Begleittext der Ausstellung; der Text wurde ebenfalls hier entnommen.

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