Ungeliebte Gäste - Die Hyksos-Zeit

Das ist der Titel eines Vortrages von Professor Dietrich Wildung, gehalten am 27.06.2000 im Rahmen der Dienstags-Vorträge in der Remise des Ägyptischen Museums Berlin


Wegen mangelhafter Aufzeichnungen meinerseits ist diesmal eine direkte Umsetzung des Vortrages nicht möglich. Um jedoch die chronologische Kontinuität nicht zu unterbrechen, verfaßte ich - unter Verwendung meiner Aufzeichnungsfragmente und einschlägiger Fachliteratur - dennoch einen kleinen Beitrag zu diesem dunkleren Kapitel der ägyptischen Geschichte

Aus der Zweiten Zwischenzeit, also auch der Hyksos-Zeit, existieren wenig Aufzeichnungen und es sind archäologisch nur dürftige Reste vorhanden. In der mittelägyptischen Ostwüste findet sich ein kleiner Tempel der Hatschepsut mit Berichten über Tempelgründungen. Hierin wird auch das Hyksostrauma, die "Zerstörung der Tempel des Mittleren Reiches durch die gottlosen Hyksos" aufgearbeitet. Zur Restauration heißt es in einem Schlusswort an die Menschheit u.a. "Ich habe restauriert, was zerfallen war, ich habe aufgerichtet, was anfangs zerlegt war, seit die Asiaten in der Gegend von Auaris im Nordland waren und die Nomaden unter ihnen zerstörten, was geschaffen worden war. Sie herrschten ohne Re"

Die frühen Schätzungen der Dauer der Hyksos-Herrschaft in Ägypten reichen von 400 (Ed. Meyer) bis zu 1066-1590 Jahren (verschiedene Versionen nach Manetho). Der Niedergang der Reichseinheit begann bereits vor der Eroberung durch die Hyksos. Es entstanden Lokalkönigtümer mit wechselnden Machthabern, die von den Historikern als 13. und 14. Dynastie zusammengefaßt wurde. Erst mit der 15. Dynastie um 1730 v.Chr.  begann nach Manetho die Hyksos-Herrschaft (bis in die 17. Dynastie) und damit vielleicht der bedeutendste Einschnitt in die ägyptischen Geschichte. Nach Manethos Überlieferung "brachen unter einem König Tutimaios unerwartet aus dem Osten Leute unbekannter Herkunft ein, die das Land mit Gewalt ohne Schlacht leicht einnahmen". Manetho benennt sechs Hyksos-Könige: Salitis, Beon, Apachnas, Iannas, Apophis, Assis. Wegen der ansonsten fehlenden oder zumindest nicht sehr zuverlässigen Belege ist es fast unmöglich, eine ordentliche Chronologie aufzustellen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die von Manetho geschilderte Machtübernahme eher schleichend vollzogen hat und dass die Hyksos nicht ganz Ägypten besetzt hielten, sondern nur das Delta unter ihren Machteinfluss kam, während sich Landesfürsten das übrige Ägypten teilten.

Der Name "Hyksos" kann als Hyk=Könige und sos=Hirten, also Hirtenkönige, oder als heqa-chasut=Herrrscher der Fremdländer gedeutet werden. Die Namen ihrer Könige deuten auf semitischen Ursprung hin. Ihre Hauptgottheit war der ägyptische Gott Seth, den sie wohl mit dem vorderasiatischen Gewittergott (Baal, Teschup) gleich setzten. Der Tierkopf in den Darstellungen des Seth ist bekanntlich zoologisch nicht eindeutig zuzuordnen, wurde jedoch  u.a. auch als der eines Erdferkels gesehen. Eine Assoziation der Ägypter könnte später gewesen sein: der Hyksos-Gott Seth = Erdferkel = Schwein = religiös unrein. Die Hyksos gründeten ihre Hauptstadt Auaris im östlichen Delta, in der Nähe von Tanis, dem heutigen Qantir. Überreste sind kaum erhalten. Einige in Tanis gefundene Blöcke stammen nicht aus Auaris; ein Block trägt den Namen Cheops'. Die von Mariette entdeckten sogenannten Mähnen-Sphingen wurden zunächst den Hyksos zugeordnet, stammen jedoch aus der 12. Dynastie. Auaris mußte dann später unter Ramses II auch als Granit-Steinbruch herhalten, um damit dessen Hauptstadt Piramesse aufzubauen. 

Der letzte König der 17. Dynastie Kamose begann den Kampf gegen die Hyksos zur Befreiung Ägyptens. Ein Bericht hierüber befindet sich im ersten Hof des Amun-Tempels von Karnak. Der Niederlage gegen Kamose versuchte der letzte Hyksos-König Apophis durch eine Verbrüderung mit dem damaligen Herrscher von Nubien zu entgehen. Dieser Versuch einer Allianz schlug jedoch fehl, und der Nachfolger des Kamose, Ahmose, belagerte und eroberte Auaris endgültig und schlug die Hyksos zurück, wahrscheinlich nach Südpalästina. Dieses geschichtliche Ereignis war für manche ein Grund, es mit dem biblischen Exodus gleichzusetzen. Ebenso wie viele andere Hypothesen zum Thema läßt sich auch diese nicht beweisen. Die Hyksos-Herrscher verschwanden aus den Urkunden. Dass sie in der Königsliste von Abydos nicht zu finden sind, versteht sich von selbst. Ihre einzige Hinterlassenschaft zum Wohle Ägyptens dürften Pferde und leichte Streitwagen gewesen sein, die etwa zu dieser Zeit erstmals erwähnt wurden. Ahmose wurde nach Mentuhotep wiederum zum Reichseiniger Ägyptens und begründete um 1580 v.Chr. die glanzvolle 18. Dynastie.

Es gibt Meinungen, nach denen die Hyksos-Herrschaft über Ägypten überbewertet und nunmehr durch die - dürftigen - Ausgrabungen wieder ins rechte Licht gerückt wird. Für Ägypten und die Ägypter war diese Fremdherrschaft jedoch unzweifelhaft ein Schock, der nachweislich noch Jahrhunderte nachwirkte.

Gitta Warnemünde

Quellen:
Jürgen von Beckerath "Chronologie des pharaonischen Ägypten"
Helck/Otto "Kleines Lexikon der Ägyptologie"
Grimm/Schoske "Hatschepsut - KönigIN Ägyptens
Aufzeichnungsfragmente aus dem Vortrag vom 27.06.2000